Finanzplatz FL

Die Finanzdienstleistungen stellen einen bedeutsamen, wenn auch nicht den grössten Wirtschaftsbereich der liechtensteinischen Volkswirtschaft dar. 14,3 Prozent der Erwerbstätigen in Liechtenstein sind im Finanzdienstleistungsbereich beschäftigt. Im Jahr 2004 entsprach dies 4´248 erwerbstätigen Personen. Aufgrund der hohen Wertschöpfungsintensität dieses Wirtschaftsbereichs tragen die Erwerbstätigen des Finanzdienstleistungsbereichs einen Anteil von rund 30 Prozent zum liechtensteinischen Bruttoinlandsprodukt bei. Zu den angebotenen Dienstleistungen zählen insbesondere die private Vermögensverwaltung, die internationale Vermögensstrukturierung, Anlagefonds und Versicherungslösungen.

Als wesentlich für die Entwicklung des Finanzplatzes Liechtenstein erwiesen sich insbesondere das In-Kraft-Treten des Zollvertrags mit der Schweiz 1924, die Übernahme des Schweizerfrankens als gesetzlicher Währung sowie die Schaffung spezifischer gesellschaftsrechtlicher Grundlagen 1926.

Die letzten 20 Jahre stellten für den Finanzplatz Liechtenstein eine besonders dynamische Periode dar. Die Anzahl der Banken erhöhte sich von 3 auf 15 (Anfang 2003 waren es sogar 17 Banken), im Fondsbereich und im Versicherungsbereich eröffneten sich neue Geschäftsfelder. Der Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum im Jahr 1995 wirkte als Katalysator für eine Reihe grundlegender Veränderungen und ermöglichte auch den Marktzugang zu anderen Ländern.

Dieses rasche Wachstum in den 90er Jahren nicht nur in Liechtenstein, sondern im  Finanzdienstleistungsbereich weltweit, verstärkte aber auch das Risiko des Missbrauchs des Finanzplatzes zum Zweck der Geldwäscherei. Der Staat hat auf dieses Risiko mit einem neuen Rechtshilfegesetz in Strafsachen, mit laufend verschärften Sorgfaltspflichtbestimmungen und mit einer massiven personellen Aufstockung der Aufsichtsbehörden, der Landespolizei und der Gerichte reagiert. Diese Anstrengungen des Staats und der Finanzdienstleister in der Umsetzung der neuen Bestimmungen wurden in der Folge von internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds, Washington, der Financial Action Task Force (FATF), Paris, und dem Europaratskomitee Moneyval, Strassburg, anerkannt.

Die Kundinnen und Kunden des Finanzplatzes Liechtenstein sollen sich darauf verlassen können, dass die Finanzdienstleister qualitativ hochstehende Produkte in Übereinstimmung mit den internationalen Standards anbieten und einer strengen staatlichen Aufsicht unterstehen. Gleichzeitig ist dem berechtigten Interesse der Kundinnen und Kunden am Schutz ihrer Privatsphäre weiterhin Rechnung zu tragen.

Struktur

Die liechtensteinischen Finanzdienstleister lassen sich in fünf Kategorien unterteilen:

  • Banken und Finanzgesellschaften
  • Vermögensverwaltungsgesellschaften
  • Investmentunternehmen
  • Treuhänder, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer
  • Versicherungsunternehmen 

Anfang 2005 waren auf dem Finanzplatz Liechtenstein 15 Banken, 405 Andere Finanzintermediäre (insbesondere Treuhänder, Treuhandgesellschaften Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer), 30 liechtensteinische Versicherungsunternehmen, 17 Fondsleitungsgesellschaften mit rund 160 Anlagefonds und 9 Anlagegesellschaften tätig. Die 15 Banken wiesen Ende 2004 eine Bilanzsumme von CHF 34 Mrd. auf. Zum Vergleich: Die Schweizer Banken verwalteten per Ende 2003 rund 3´000 Mrd. CHF Kundengelder. Insgesamt betreuten die liechtensteinischen Banken per Ende 2004 ein Kundenvermögen von CHF 107 Mrd.

Als Investmentunternehmen (Fonds) gelten Vermögen, die aufgrund öffentlicher Werbung beim Publikum zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage beschafft und für gemeinsame Rechnung der Anleger, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist, nach dem Grundsatz der Risikostreuung von einer Verwaltungsgesellschaft verwaltet werden. Investmentunternehmen können auf vertraglicher (Anlagefonds) oder gesellschaftlicher (Anlagegesellschaft) Grundlage gegründet werden.

Zum Tätigkeitsbereich der Treuhänder zählt insbesondere die Gründung von juristischen Personen, die Übernahme von Verwaltungsmandaten sowie die Buchführung und Kontrollstellentätigkeit.

Die Rechtsanwälte, Rechtsagenten, Patentanwälte und Patentanwaltsgesellschaften sind insbesondere im Bereich der berufsmässigen Rechtsberatung und Parteienvertretung beziehungsweise in der Beratung und Vertretung in Angelegenheiten des geistigen Eigentums tätig. 50 Wirtschaftsprüfer und Revisionsgesellschaften verfügen zudem über eine Bewilligung zur geschäftsmässigen Ausübung von Buch- und Abschlussprüfungen.

Der Erlass eines Versicherungsaufsichtsgesetzes 1996 führte zum Ausbau des Versicherungsstandorts Liechtenstein. Ende 2004 verfügten 14 inländische Schaden- und Rückversicherungsunternehmen sowie 17 Lebensversicherungsunternehmen über eine Bewilligung. Sie verbuchten in erwähntem Jahr Bruttoprämien von über CHF 2´563.2 Mio. Gleichzeitig unterhielten im Jahr 2004 1 EU- sowie 26 schweizerische Versicherungsunternehmen Niederlassungen in Liechtenstein. Zudem haben bis Ende 2004 über 180 Versicherungsunternehmen aus verschiedenen EWR-Staaten und aus der Schweiz die Aufnahme der grenzüberschreitenden Dienstleistungstätigkeit in Liechtenstein über ihre Sitzlandaufsichtsbehörde angezeigt. Die in Liechtenstein tätigen schweizerischen Versicherungsunternehmen nahmen in Liechtenstein im Jahr 2004 über ihre Niederlassungen CHF 197,6 Mio. und im freien Dienstleistungsverkehr CHF 144,8 Mio. Bruttoprämien ein.

Gesamthaft lässt sich seit Beginn der 90er Jahre im Finanzdienstleistungsbereich eine verstärkte Produktediversifizierung, insbesondere in Richtung Anlagefonds und Versicherungslösungen, sowie eine deutliche Ausweitung der Anzahl der Marktteilnehmer beobachten. Aufgrund dieser Dynamik des Finanzdienstleistungsbereichs mussten in den vergangenen Jahren auch die staatlichen Aufsichtsbehörden ausgebaut sowie Justiz und Polizei verstärkt werden.